Gesundheit für vier Pfoten

Seit Jahren engagiere ich mich insbesondere für die Krebsforschung für das Tier und unterstütze „RotePfote – Krebsforschung für das Tier“, ein Zusammenschluss von Medizinischer und Veterinärmedizinischer Universität Wien, der für die Zusammenarbeit von Tier- und Humanmedizin in der Krebsforschung steht und die Entwicklung neuer Therapien zur Behandlung krebskranker Hunde unterstützt. Darüber hinaus steht „RotePfote“ für eine umfassende Aufklärung der Tierbesitzer über moderne Diagnose- und Therapiemöglichkeiten für den Krebspatienten Hund.

Meine Boxerhündin Braganza verdankte einer dieser Studien eine zusätzliche diagnostische Option, als sie an einem Osteosarkom erkrankt war, und ich war damals sehr dankbar, im Rahmen eines TV-Berichtes über die vergleichende Krebsforschung darüber berichten zu dürfen.

 

Meine journalistische Arbeit in unterschiedlichen Publikumszeitschriften widme ich heute zu einem Teil verschiedensten gesundheitsrelevanten Themen beim Hund und schreibe u.a. für

 

  • mein HAUSTIER - Gesundheitsmagazin für Tiere (hrsg. von Dr. med. vet. Herta Puttner, Wien)
  • BreederSpecial (Minerva-Verlag, Mönchengladbach)
  • HundeWelt (Minerva-Verlag, Mönchengladbach)
  • Dogs avenue (Minerva-Verlag, Mönchengladbach)


Prägend für mein Denken sind seit langem

  • das Bewusstsein, dass nicht der perfekt funktionierende Körper das Leben ausmacht, sondern unsere Fähigkeit, das Leben auch in schwierigen Situationen anzunehmen und zu meistern.
  • das Wissen um die menschliche Pflicht, das Lebensrecht unserer Freunde auf vier Pfoten zu schützen und ihnen mit allen verfügbaren Möglichkeiten auch in Zeiten der Krankheit eine optimale Lebensqualität zu bieten.
  • die Unterstützung der tiermedizinischen Forschung, um neue leistbare und effektive Therapien für den Hund zu entwickeln.
  • die Minimierung von Krankheitsrisiken durch eine Zuchtethik im Zeichen moralischer und tierschutzrechtlicher Verantwortung.

 

Leben mit dem kranken Hund


Den Wert des Lebens zu erkennen und zu respektieren, bedeutet auch, Krankheit und Behinderung zu akzeptieren. Auch wenn der Körper nicht mehr perfekt funktioniert, so behält jedes Lebewesen doch unverändert sein Recht auf ein lebenswertes Leben. Sicher, der Alltag verändert sich, Wertigkeiten verschieben sich. Aber genau daraus erwächst die Chance auf eine neue, bisher unbekannte Art der Bindung und Zusammengehörigkeit. Nutzen wir diese Zeit, die nicht nur dem Hund in seinen letzten Monaten Geborgenheit und Liebe in unserer Nähe schenkt, sondern die auch uns die Chance gibt, uns weiterzuentwickeln und zu einer neuen Ganzheit zu gelangen, Facetten an uns selbst kennenzulernen, die bisher im Verborgenen blieben und die doch existenzieller Bestandteil unseres Seins sind. Erfüllung einer jahrelangen PartnerschaftWir können unendlich viel von unseren kranken Hunden lernen. Ihre unmittelbare Bereitschaft, ihr Schicksal anzunehmen und sich mit ihrer neuen Lebenssituation zu arrangieren, kann zum Vorbild für uns selbst werden.

Gerade deshalb dürfen wir nicht den Fehler machen, unseren menschlichen Leidensbegriff auf den Hund zu übertragen. "Bei mir soll kein Hund leiden." - Nein, sicher nicht! Eine große Wahrheit und letzte Liebe stecken in diesem Satz und dem damit verbundenen Gedanken an erlösende Euthanasie, aber auch das Risiko einer vorschnellen Entscheidung, des vielleicht ungewollten, aber unwiederbringlichen Verzichts auf eine letzte gemeinsame Zeit, die nicht Leiden, sondern Glück bedeutet - letzte Erfüllung einer oft jahrelangen Partnerschaft.


Recht auf Leben


Hunde leben im Hier und Jetzt, denken nicht an das Morgen. Der Hund quält sich nicht mit der beständigen Sorge um seinen vielleicht wachsenden Tumor. Und die Wahrnehmung seiner körperlichen Einschränkung durch eine Behinderung stellt für ihn auch dann keine psychische Belastung dar, wenn er mit der mentalen Unterstützung seines menschlichen Partners stets eine Möglichkeit finden kann, den neuen Moment, seine Gegenwart zu leben. Individuelle Schmerztherapien und konsequent an der Befindlichkeit des Hundes orientierte palliativmedizinische Betreuung können oft noch lange ein schmerzfreies unbeschwertes Leben mit der Krankheit ermöglichen - ein Leben, das sich verändert hat, ja, aber ein Leben, dessen Recht, gelebt zu werden, wir unseren Freunden auf vier Pfoten niemals absprechen dürfen.

 

 

Danach

 

Eines Tages passiert das Unausweichliche. Wir wissen, dass jedes Leben endlich ist, und unsere vierbeinigen Familienmitglieder uns nur eine kurze Zeit durch unser Leben begleiten. Dennoch ist der Tod ein Schock – umso mehr, je unvorbereiteter und in diesem Moment unerwarteter er unserem Freund begegnet. Der Verlust ist ein traumatisches Erlebnis, und die Herausforderung, der Macht dieser unumkehrbaren Endgültigkeit zu begegnen, weckt die elementare Kraft unserer Emotionen, denen wir uns stellen müssen.  Auch, wenn es in den ersten Stunden und vielleicht Tagen keinen Trost zu geben vermag, so können wir doch die mitfühlenden Gedanken unseres Umfelds wahrnehmen. Es hilft, die stützende Gegenwart der Menschen, die uns nun unmittelbar begegnen und die uns nahe stehen, bewusst  zu erkennen und in Offenheit anzunehmen.  

Schnell könnten sich nun die ersten Fragen nach dem Warum einstellen: Warum jetzt? Was geschah in diesen Momenten – vielleicht einigen Stunden – vor seinem Tod im Körper unseres Hundes? War es der richtige Moment, dass wir gerade jetzt entschieden haben, ihm das Ende mit einer Euthanasie zu erleichtern? Aber nein – wir geben diesen Fragen keinen Raum, denn jetzt hilft uns die absolute Klarheit all unserer Entscheidungen in den letzten Tagen. Wie haben alles denkbar Mögliche für unseren vierbeinigen Lebensgefährten getan, wir wissen mit absoluter Gewissheit, dass wir gemeinsam mit den Medizinern, denen wir vertrauen, in jedem Moment reflektiert und im vollen Bewusstsein der Verantwortung gehandelt und entschieden haben. Wir haben mit letzter Sicherheit gesehen, dass es keine Chance mehr gab, das Leben unseres Freundes zu erhalten, und konnten ihn ohne jedes quälende Fragezeichen am Ende gehen lassen.  Die Konsequenz, mit der wir vor seinem Tod die Therapieentscheidungen getroffen und entsprechend gehandelt haben, schenkt uns nach seinem Ende das sichere und jetzt unermesslich wertvolle Wissen, gleichermaßen in Verantwortung und Liebe gehandelt zu haben. Die vergangenen Wochen und Monate, die Zeit der Therapie, waren von Hoffnung und Zuversicht geprägt. Aber wir sind auch jetzt nicht um diese Hoffnung betrogen worden, denn – so der tschechische Dramatiker, Essayist und Politiker Václav Havel – „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal, wie es ausgeht.“

Wr haben vor dem Tod unseres besten Freundes die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass uns jetzt keine quälenden Fragen begleiten, keine Zweifel und Selbstvorwürfe, sondern dass wir die notwendige Ruhe und Kraft für die unerlässliche Trauerarbeit finden können, die nun vor uns liegt. Trauerarbeit ist Gedankenarbeit, die Zeit erfordert und Muße braucht. Schaffen wir uns diese Inseln der Stille in unserem Alltag, um zu begreifen, was da in den letzten Tagen und Wochen geschehen ist! Wenn wir uns diesem Prozess bewusst stellen und uns der Trauer nicht durch vordergründige Ablenkungen und künstlich erzeugte Aktivität entziehen, werden wir vieles an Erfahrungen hinzugewinnen. Wir werden erkennen, wie unser Denken und unsere Perspektive, aus der wir das Geschehene betrachten, auch unseren emotionalen Umgang mit dem erlittenen Verlust lenken und leiten kann. Lassen wir wie damals zu Beginn der Therapie unseres besten Freundes auch jetzt in der Konzentration auf die Auseinandersetzung mit unserer Trauer sinnlosem (Selbst-)Mitleid keinen Raum, und wir werden bald ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass wir mit allem, was uns genommen wird, auch etwas bekommen. Leben und Tod sind keine Gegensätze, sondern das eine ist ein Teil dessen, was wir lieben. Und plötzlich gelingt es uns, in diesen Tagen der Trauer die Größe – die „Großartigkeit“ – des Lebens, dessen Ende ein substantieller Bestandteil seiner selbst ist, nicht aus den Augen zu verlieren – vielleicht sogar in einer besonderen Intensität zu empfinden und wahrzunehmen.  Jedes Leben bringt Kraft und Liebe in diese Welt. Das ist es, was für immer bleibt – es ist ein großartiges Erbe, das geliebtes Leben uns am Ende als letztes Geschenk hinterlässt …

Die tiefe emotionale Basis all dessen, was wir denken und tun – während der Zeit der Krankheit und Therapie unseres Freundes ebenso wie nach seinem Tod – ist die Liebe. Diese Erkenntnis wird uns ein Lächeln schenken – so, wie uns die wärmenden Sonnenstrahlen, die uns aus tiefblauem Himmel treffen, Geborgenheit und Harmonie spüren lassen. Geben wir den vorwurfsvollen Gedanken keinen Raum, die uns in diesem neuen zarten Erwachen von Dankbarkeit und stillem Glück nun unweigerlich  daran erinnern wollen, dass unser Freund doch gerade erst gegangen ist – vor ein paar Tagen, ein paar Wochen … nein! Eine Trauer voller Licht und Liebe zu empfinden und zu leben, ist kein Gegensatz. Es sind zwei Seiten der gleichen Medaille, wenn wir dem Ende eines Lebens begegnen, dessen Zeit begrenzt ist. Unsere einzige Aufgabe ist es auch jetzt, diesem Leben einen Sinn zu geben – in jedem so wunderbar wertvollen und einzigartigen Moment. Verbiete Dir die Liebe nicht! … im gleißenden Licht der untergehenden Abendsonne …